IHK Kassel berichtet über den Hidden Champion

IHK Kassel berichtet über den Hidden Champion

Sie denken immer einen Schritt voraus

Individuelle Prägemaschinen, die zu hundert Prozent den strengen Vorgaben der Industrie entsprechen: Das ist das Kerngeschäft der Werner Maschinenbau GmbH. Dabei sind die Produkte des Weltmarktführers keine Ware von der Stange, sondern Maßanfertigungen – ganz nach den Wünschen der Auftraggeber und sogar darüber hinaus.

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Geschäftsführer Niyazi Karahan mit einer Prägemaschine, die manuell bedient wird: Sie prägt Identifikationsnummern in Fahrgestelle von Automobilen. Zudem werden die dabei entstehenden Späne mittels einer Bürste und einer Absauganlage entfernt. Kleines Foto: Data Matrix Code: eine Codierung, die nur mittels Scanner die Daten preisgibt und fälschungssicher ist. (Fotos: Beller)

Unsere Kunden bekommen von uns stets mehr als sie erwarten“, sagt Geschäftsführer Niyazi Karahan. „Sie schildern uns ihre Vorstellungen und ihre Ideen. Wir greifen diese auf und erweitern sie, wenn es sinnvoll erscheint“, erläutert der 40-Jährige. „Ein Beispiel: Wir bekamen den Auftrag, eine Prägemaschine für die Automobilbranche zu konstruieren, die mit einer Bürste ausgestattet ist, um beim Prägevorgang anfallende Späne zu entfernen“, erzählt Karahan. „Wir haben dann von uns aus zusätzlich eine Absauganlage eingebaut, die die Späne, die ansonsten in der Karosserie zurückgeblieben wären, komplett entfernt. Trotz Mehrkosten war der Kunde vom Prototyp begeistert und hat bestellt.“

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Anpassung: Um Prägemaschinen passgenau zu entwickeln, stehen dem Team um Niyazi Karahan entsprechende Karosserien zur Verfügung.

Diese Vorgehensweise ist möglich durch die hauseigene Entwicklungsabteilung. Ein Innovationsteam, bestehend aus acht Mitarbeitern, setzt Produktentwicklungen unabhängig und flexibel um – mit ein Grund dafür, dass Werner Maschinenbau in den Kreis der Top- Innovatoren 2014 aufgenommen wurde. Die Kunden des Mittelständlers, der auch Standorte in Mexiko und China unterhält, sind vorrangig unter den Automobilherstellern weltweit zu finden. Die Hauptwerke von BMW, VW, Audi und Daimler in Deutschland werden von den Nordhessen mit Prägemaschinen für die Kennzeichnung der Fahrgestelle bestückt. Auch der Data Matrix Code, mit dem Originalteile fälschungssicher markiert werden können, ist bei den meisten namhaften Herstellern im Einsatz. Geschäftsführer Karahan betont, dass Werner Maschinenbau „alles aus einer Hand“ bietet. Nur wenige Komponenten kaufe man hinzu, die meisten Bestandteile der Maschinen würden in Wolfhagen hergestellt. Ist eine Maschine fertiggestellt, wird sie verpackt, zum Kunden transportiert und von Mitarbeitern des Unternehmens vor Ort montiert.  Auch die Wartung zählt zu den Leistungen, die die Wolfhager anbieten. Neben dem Kerngeschäft, also den Prägemaschinen, ist die Konstruktion von Sondermaschinen aller Art für andere Branchen immer noch ein wichtiger Teil des Geschäftsfeldes.

Heute beschäftigt Werner Maschinenbau auf dem Gelände der ehemaligen Pommernkaserne in Wolfhagen 61 Mitarbeiter. Die Geschichte des Unternehmens begann allerdings in Kassel. 1986 wagte der Diplomingenieur Wilfried Werner den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete an der Lilienthalstraße die Werner Maschinenbau GmbH. Zunächst lag der Schwerpunkt des mittelständischen Unternehmens auf dem Sondermaschinenbau. Schnell konzentrierte man sich jedoch auf die Automobilbranche, meldete Patente für den Typenrad- sowie den Ritzpräger an. 1992 zog Wilfried Werner mit sieben Mitarbeitern nach Wolfhagen. Inzwischen hatte sich das Unternehmen bei den Herstellern einen guten Namen gemacht und deckte den deutschen Markt komplett ab. China und Südamerika folgten. 1995 wurde die Produktpalette um Laseranlagen erweitert. 2010 beschäftigte Wilfried Werner 45 Mitarbeiter. Im selben Jahr verkaufte er die Firma aus Altersgründen an einen Gesellschafter. Das operative Geschäft stemmt Niyazi Karahan, der seit 1996 im Unternehmen und seit 2012 Geschäftsführer ist, mit seinem qualifizierten Team. Erst im vergangenen Jahr siedelte das Unternehmen an den heutigen Standort um.

Ziel für 2016: 100 Mitarbeiter

Mit der Entwicklung des Unternehmens ist Niyazi Karahan sehr zufrieden. „Der Umsatz steigt kontinuierlich. Im Jahr 2016 soll er im achtstelligen Bereich liegen. Was die Mitarbeiterzahl betrifft, peilen wir die 100 an“, sagt er und spricht im gleichen Atemzug den Fachkräftemangel an. „Wir suchen ständig nach qualifizierten Mitarbeitern.“ Doch als Ausbildungsbetrieb sorgt das Unternehmen auch selbst für beruflichen Nachwuchs. Aktuell arbeiten dort sechs Azubis in den Berufen Industriemechaniker/-in, Mechatroniker/-in, Elektroniker/-in, Kaufmann/-frau für Bürokommunikation, Industriekaufmann/-frau sowie Produktdesigner/-in.

Ein großer Vorteil sei, dass das Geschäftsfeld der Werner Maschinenbau GmbH krisenfest sei. „Wir sind abhängig von den Modellen und nicht von der Stückzahl der Automobile, die vom Band rollen. Kommen neue Modelle heraus, entwickeln wir neue Prägemaschinen. Und da in schlechten Zeiten oftmals Neues auf den Markt kommt, kann uns eine wirtschaftliche Krise nichts anhaben – ganz im Gegenteil.“

Quelle: Esther Beller in Wirtschaft Nordhessen 10.2014